Sonntag, 7. August 2011

Ein Blick gibt Einblick


Hinter uns liegt eine bewegte Zeit. Im April-Mai hatten die Kinder im Father's House Sommerferien und wir hatten ein aktives Programm für sie bereit, das in einem Camp am Strand einen genialen Abschluss fand. Ausserdem feierten wir unser 20 jähriges Dienst Jubiläum in Manila mit vielen Freunden aus dem In- und Ausland.
Anschließend begaben wir uns als Familie auf einen 2 monatigen Deutschlandaufenthalt. Auch diese Zeit in der alten Heimat war in jeder Hinsicht sehr bewegt.
Eine Begegnung bohrt sich tief in mein Herz. Ich sitze in der wohnlichen Küche meiner Schwiegereltern beim fantastischen deutschen Frühstück. Wie immer kommen alle möglichen Leute zu Besuch, u.a. um uns zu begrüßen. Auf dem Stuhl neben mir sitzt meine Schwägerin mit einem niedlichen dicken Baby auf dem Arm. Da sie selbst Mutter zweier KInder ist, verdient sie sich einwenig Geld dazu, indem sie Tageskinder bei sich zu Hause betreut.Während ich meinen Kaffee schlürfe und mich an dem schön gedecktem Tisch erfreue wird meine Aufmerksamkeit plötzlich auf den Blick des Babies neben mir gelenkt. Ich erschrecke und zucke fast zusammen. Diese Augen kenne ich zu gut. Aber ich sehe dieses Kind doch zum ersten Mal. Wie kann das sein? Mir wird klar, dass es die gleichen traurigen Kinderaugen sind, in die ich tausende Kilometer entfernt von Deutschland viel zu oft blicken muss. Eine tiefe Leere und Einsamkeit schaut mich aus diesem kleinen Jungen an, der noch nicht einemal ein Jahr auf dieser Welt ist. Es schaudert mich bei dem Gedanken, was dieser kleine Kerl wohl schon erlebt haben muss und wie seine Grundbedürfnisse nach Geborgenheit und Liebe kaum zu einem Bruchteil gestillt werden. Dies spricht so laut und massiv aus den Augen. Ich bitte meine Schwägerin ihn ein wenig tragen zu dürfen und spaziere weg vom schönen Frühstückstisch in den Garten, wo ich ungestört bin. Mir teibt es Tränen in die Augen und ich singe und bete über diesem wunderbaren Geschöpf. Der Kleine wird ganz ruhig und schläft tatsächlich in meinem Arm ein. Später erfahre ich etwas von dem Hintergrund des Jungen. Seine Mutter hat viele Kinder von verschiedenen Männern und keine Arbeit. Sie kommt mit ihrem eigenen Leben nicht klar und hat ihren Kindern nicht viel zu geben und oft rastet sie an ihnen aus. Der deutsche Staat hilft zwar, im Gegensatz zu den Philippinen, mit Geldern und sozialer Unterstützung, doch das Problem der entsetzlich traurigen Kinderaugen löst das nicht. Nicht in Deutschland und nicht andeswo.