Mal wieder sitzen wir in einer unendlichen Mitarbeiterbesprechung am Montagmorgen. Ich rutsche unruhig von einer Pobacke auf die andere. Zig Dinge kommen mir in den Sinn, die ich noch zu erledigen habe. Will das Meeting denn nie enden? Tausend Sachen sind abzuklären und zu organisieren. Ein neues Einsazteam im Anmarsch, eine kaputte Waschmaschine, durcheinandergekommende Dienstpläne, verbockte Teenager und Diskussionen wie wir das ein oder andere Problem bei den Kindern angehen u.s.w.
Dann..., hier ist sie wieder, die aufreibende Frage: "Was machen wir mit den den zwei schnüffelsüchtigen Jungs, denen wir immer auf der Strasse begegnen und deren Mutter durchgeknallt und nicht zu finden ist?" Wir kennen die kleinen Brüder schon lange und von Woche zu Woche verschlimmert sich ihr Zustand. Sie leben auf einem Bürgersteig im wahrsten Sinne desWortes von der Hand in den Mund.Zur Schule sind sie nie gegangen und sie haben wohl noch nie ein "richtiges Haus" von innen gesehen. Sie kennen es nicht dass man sich um sie kümmert. Sie sind dazu da, Geld für ihren großen Bruder zu erbetteln, der seinerseits das gleiche Schicksal hatte. Jetzt sind sie gerade soweit, dass sie mit uns mitgehen würden. Sie wollen weg von der Strasse und ihr großer Bruder würde sie ziehen lassen, damit sie es mal besser haben. Tja, und wir? Jeder von uns weiss, was zwei neue kleine Jungs im Haus bedeuten, die noch nie mit Ordnungen und Regeln (ausser den harten Sitten der Strasse) in ihrem Leben gelebt haben. Einige unserer Mitarbeiter gehen schon jahrelang über die Schmerzgrenze und teilen ihr Leben mit Kindern, um die sich sonst niemand kümmert. Es wäre leichter, wenn die Last auf mehr Schultern verteilt werden könnte. Doch es ist schwierig langfristige Mitarbeiter zu gewinnen für Dienste wie im Father's House oder in dem Baby Haus. Ich frage mich, woran das liegt. Ist nicht das Muttersein eine der größten Berufungen überhaupt? Liegt nicht sogar darin tiefe Erfüllung? Jede halbwegs gesunde Mutter würde das bestätigen. Für ihre KInder gibt eine Mutter alles und sie würde sogar ihr Leben für sie aufs Spiel setzen, wenn es sein muss. In den ersten Kinderjahren ist das ja auch wahrhaft gefordert: das Leben zu lassen. Die Bedürfnisse eines kleinen Kindes stehen immer im Vordergrund und es geht oft weit über die Schmerzgrenze der Mutter denen zu begegnen. Ich kenne keine Mutter, die das nicht bestätigen würde. Und doch tun es die meisten mit Leidenschaft und Freude, die Hingabe an seine Kinder ist auch beglückend.
Das ist auch wahr, für den Dienst an Kindern, die biologisch nicht unsere eigenen sind. Es braucht aber wohl Offenbahrung, um das zu erkennen und dann auch leben zu können. Ich bete, dass die Mütter hervor kommen, die bereit sind, Mutter vieler Kinder zu werden und ihr Leben für die verstossenen in die Waagschale zu werfen. Hat Jesus nicht selbst gesagt: "Wer sein Leben sucht, der wird es verlieren. Der sein Leben verliert, der wird es erhalten!" Wir haben diese Erfahrung so oft gemacht. Unser Leben ist reich.
Wer einmal die Wiederherstellung eines zerbrochenes Kindes erlebt hat, der weiss wovon ich schreibe. Es lohnt sich. Zugegeben, es ist keine "Kurzzeit Kickerfahrung", die man wie in einem Rausch mal schnell mitnehmen kann. Es bedeutet Ausdauer, Opfer, sich selbst verleugnen und sich nicht so wichtig zu nehmen. Es bedeutet oftmals kein "Danke!" oder große Anerkennung zu bekommen. Doch geht es denn darum? Mal ehrlich, für wen oder was leben wir denn?
Ich weiss, dass es noch viel mehr Mütter gibt. Nur, wo sind sie?

